4. Rudolf Uhrmacher - Gebrüder Uhrmacher
Christian Uhrmacher & Söhne - Jean Uhrmacher
Kommandit-Gesellschaften

Von Rudolf Uhrmacher, einem Enkel von Adam Uhrmacher, nimmt ein viertes Oberkasseler Steinbruchunternehmen seinen Ausgang. Er hatte seinen Betrieb in der „Fuchskaul" und war der Bruder des unter 3) genannten Christian Uhrmacher Sen.

Seinen Söhnen blieb es vorbehalten, das Geschäft im Laufe der Jahrzehnte zu schönen Erfolgen zu führen. Anfangs traten Schwierigkeiten auf, aber durch zähes Durchhalten – selbst in härtester Arbeit -, durch realen Sinn und durch günstige Absatzmöglichkeiten gelang es ihnen, dem Geschäfte eine sichere Grundlage zu geben und seine Entwicklung glücklich zu gestalten. Der Steinbruch in der Fuchskaul, der früher Rudolf Uhrmacher gehört hatte, dann aber Eigentum des Christian Uhrmacher Sen. geworden war, wurde nun zuerst von Christian Uhrmacher Jr., geb. am 29.02.1860 in Niederpleis, gestorben am 27.01.1933 in Oberkassel, und Peter Uhrmacher, geb. am 17.12.1857 in Niederpleis, gestorben am 10.02.1894 in Oberkassel, Söhnen des Rudolf Uhrmacher, pachtweise bewirtschaftet.

Der Existenzkampf dieses neuen Unternehmens war äußerst hart, aber unerbittlich und ausdauernd war auch die Art, wie er von den jungen Unternehmern geführt wurde. Die Arbeit an der trotzigen Felswand war auch i h r Tagwerk, das nicht nach einer bestimmten Stundeneinteilung sich regelte, sondern von früh bis spät abends verlief.

Dann kam die Zeit, wo man den Betrieb „Fuchskaul" wieder zurückerwarb. Als Peter Uhrmacher gestorben war, trat dessen Bruder, Johannes, genannt Jean Uhrmacher, (1863-1944) in das Geschäft ein; beide Brüder, Christian (1833 – 1903) und Jean Uhrmacher gründeten jetzt die Firma Gebrüder Uhrmacher, die viele Jahre hindurch an führender Stelle in der Basalt-Steinbruchinstustrie gestanden hat. Die Gebrüder Uhrmacher waren in Oberkassel berühmt-berüchtigt, da Sie laut knatternd auf Ihren Harley-Davidson Motorrädern durch Oberkassel rasten.

Familie Uhrmacher im Hof Hauptstr. 169, jetzt Königswinterer Str. 669
v.l. Christian, Jean, Jean Uhrmacher Sen. Heinrich und Adolf Uhrmacher

Sie war das größte Steinbruchunternehmen am Rhein. Sie kauften den Steinbruch des Herrn Endres an der Südseite des Finkenbergs und beuteten ihn völlig aus. Mit beteiligt waren Heinrich Uhrmacher und Adam Uhrmacher, genannt Adi. Diese waren direkte Nachkommen von Rudolphus Uhrmacher, geb. 25.11.1831 in Oberkassel, gest. 6.7.1893 in Bonn, verheiratet mit Anna Maria Birkheuser.

Durch Verdrängung und Streit musste Heinrich Uhrmacher das Unternehmen verlassen.

Im Maschinenhof der Provinzial-Basaltweke
v.l. Bürovorst. Becker, Johannes Uhrmacher, Hoitz u. Hornbach

Die Steinbruchbesitzer Peter und Jean Uhrmacher hatten zeitweise bis zu 40 Pferde.

Der Besitzer der Fuchskaule, Jean Uhrmacher, errichtete in ihrem Grunde den Märchensee. Auch die von der damaligen St. Hubertus-Schützengesellschaft auf der nach Westen verlaufenden Schutthalde errichtete Gaststätte Hubertushaus brachte er in seinem Besitz, und sie wurde bald ein beliebter Ausflugs- und Erholungsort. Für jeden, der, vom Hubertushaus kommend, durch die kleine Schlucht das Gelände am Märchensee, die Oberkasseler Schweiz, zum ersten Mal betrat, war der gewonnene Eindruck überwältigend. Zur Rechten sah man die senkrecht aufragende Basaltwand, unten im Kessel den See, der zwei Drittel der Fläche einnahm, zur Linken die klotzige, drohende Felskuppel.

Am Märchensee herrschte immer eine feierliche Stille, was viele Spaziergänger von nah und fern anlockte. Das Gelände wurde später unter Naturschutz gestellt und 1925 als Naturtheater eingerichtet. Die erste Aufführung fand am Pfingstsonntag statt. Es war die der Oper „Das Nachtlager von Granada", die unter starker Beteiligung erfolgte. Später übernahm der Bühnenvolksbund das von Jean Uhrmacher geschaffene Naturtheater, um hier an Sommersonntagen regelmäßig Opern- und Schauspielveranstaltungen durchzuführen.

Bei einer Aufführung am Naturtheater Märchensee um 1924

Auch in anderen stillgelegten Steinbrüchen bildeten sich, weil die auf ihrem Grunde abgelagerten Ton- und Lehmschichten kein Wasser durchließen, kleine Seen. So entstand in der Wallachei der „Blaue See", der mit seiner Umgebung ein Stück Romantik bildet. Das gleiche gilt für beide Teile der Dornhecke, die heute besonders wasserreich sind, wenn auch hier einige Quellen das meiste Wasser geliefert haben.

Die Dornhecke nach Aufgabe des Steinbruchbetriebes

Im Jahre 1893 wurde, außer der Fuchskaul, der Steinbruch „Juffenberg" und „Lägerplatz" zunächst pachtweise betrieben, später angekauft. Im Jahre 1894 erwarb die Firma den Steinbruch „Dornhecke" (nördlicher Teil) von Viktor Hahn. Immer stärkere Verwendung von Basalt zur Gleisbettung und der zunehmende Bau von Straßen und Wegen kamen der Aufwärtsentwicklung dieser Firma entgegen.

Später waren die Uhrmachers außerdem im Besitz der Brüche „Matschloch", „Höllenloch", Wallachei, eines Teiles des Rauchlochs, der Rabenley, Luh und Berghovener Ley.

Das Basaltvorkommen in der „Fuchskaul" und in der „Dornhecke" war sowohl zur Anfertigung von Pflastersteinen bzw. Bord- und Mauersteinen als auch zur Schotterherstellung verschiedenster Körnung geeignet. Der Steinbrecher in der Dornhecke (nördlicher Teil) wurde um das Jahr 1903 gebaut. Ehe es hier Steinbrecher gab, musste der Schotter mit dem Hammer handgeschlagen werden. Mehrere Hundert Arbeiter sollen auf der Strecke von der Dornhecke bis zum Berghovener Ley Steine geschlagen haben (Handschlag). Mit Einführung der Steinbrecher, die den erhöhten Anforderungen an die Materialerzeugung schneller gerecht wurden, verloren viele dieser Leute ihre Arbeitsplätze. Die Betriebe „Juffenberg" und „Längerplatz" waren der Fundort eines außergewöhnlich reichlichen und guten Materials, das sich ganz besonders zur Anfertigung von Pflaster- und Mauersteinen eignete.

Bei der Arbeit im Steinbruch

Die gesamte Mauersteinlieferung zum Rheinbrückenbau der 1. Rheinbrücke bei Bonn (1896, die ein Opfer des 2. Weltkrieges wurde, neu erbaute Kennedybrücke) war der Firma Gebrüder Uhrmacher in Oberkassel übertragen worden und ist von ihr ausgeführt worden.

Juffenberg" und „Lägerplatz" sind bis Ende der 1890er Jahre von der Firma Gebrüder Uhrmacher in Betrieb gehalten worden. Die Gemeinde Stieldorf hat häufig Material zum Wegebau aus ihnen bezogen, auch die Gemeinde Oberkassel; letztere besonders zu der Zeit, als die neue Fahrstraße nach Vinxel gebaut wurde. Das Steinbruchgelände fiel 1921 bei der Auseinandersetzung zwischen den Inhabern der alten Firma der neu gegründeten Firma Christian Uhrmacher & Söhne zu.

Es bleibt noch nachzutragen, dass in der Zeit des Aufblühens der Oberkasseler Basaltindustrie sich die unter 3) und 4) genannten Firmen veranlasst sahen, nach auswärtigen Arbeitern Ausschau zu halten. Man ließ Italiener kommen, die viele Jahre hindurch, überwiegend in den Steinbrüchen der Firma Christian Uhrmacher Sen., Verdienst fanden. Sie wohnten im Ortsteil Hosterbach, den der Volksmund darum auch Klein-Italien nannte.

Wie schon angedeutet, wurde im Jahre 1921 eine Teilung des Geschäftes durchgeführt, in der Weise, dass Christian Uhrmacher Jr. unter dem Namen Christian Uhrmacher & Söhne eine neue Firma ins Leben rief, deren Betriebe aber sämtlich außerhalb Oberkassel lagen, und dass Jean Uhrmacher eine Firma unter der Bezeichnung Jean Uhrmacher, Kommanditgesellschaft, bildete, deren Steinbrüche sich im Westerwald befanden. Nur der Steinbruch „Dornhecke" liegt hart an der Grenze des Oberkasseler Gebietes, in der Gemeinde Beuel. Christian Uhrmacher, der Senior-Chef der Fa. Christian Uhrmacher & Söhne, verstarb am 27. Januar 1933. Die Firma wurde innerhalb der Familie weitergeführt.

Die Basalt-Verladestelle der Firma Jean Uhrmacher am Rhein

Christian Uhrmacher verpachtete noch 1932 ein Stück Land, 2,5 Pint groß, am „Finkenberg" gelegen, an Herrn Bährhausen aus Limperich.

1922 pachtete die Firma Christian Uhrmacher und Söhne zum Zwecke der Ausbeutung die zu einem Steinbruchunternehmen nötig sind die Parzellen Gemeinde Vilich, Hasenpohl, Honnef, Vettelschoss, Hinterkirchen, Westerburg, die Bergplätze an der Fähre Litzeneiche in der Gemeinde Oberkassel und dem Lagerplatz zu Niederdollendorf am Rhein gelegen zum Pachtzins von MK 3000 pro Jahr.

Der Preußische Staat, vertreten durch den Regierungspräsidenten in Köln, enteignete die Grundbesitze im Siebengebirge. Die Witwe Christian Uhrmacher, Maria, geb. Schmitz aus Oberkassel vertrat dessen Söhne Fritz und Walter Uhrmacher und deren Schwager Paul Borgböhmer in einem langwierigen Rechtsstreit, bis im Jahre 1934 ein Vergleich geschlossen wurde. Demnach wurden die im Grundbuch von Honnef eingetragenen Grundstücke, insgesamt 43zig an der Zahl unter anderem die Parzellen „Leyberg", „Bremsberg" und den Steinbruch „Leyberg" enteignet. Sie erhielt dafür die Summe von 350.000,-- Reichsmark. Die dazugehörigen Gleisanlagen mussten innerhalb von 2 Monaten von der Witwe Uhrmacher auf eigene Kosten entfernt werden. Wenig später wurde das Siebengebirge, in denen die Steinbrüche liegen, unter Naturschutz gestellt, sodass ein Abbau nicht mehr genehmigt würde.

Jean Uhrmacher steht unter Mithilfe seiner Söhne der aus der alten Firma Gebrüder Uhrmacher entstandenen neuen Firma vor. Auch diese beiden Basaltfirmen, deren Stamm die ursprüngliche Firma Gebrüder Uhrmacher war, haben sich einen angesehenen Platz in der Westdeutschen-Hartstein-Industrie erworben.

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