3. Christian Uhrmacher Senior
Oberkasseler Basalt-A.G.
Rheinische Provinzial-Basalt-Werke

Um 1860 bildete sich aus einigen Ortsbewohnern ein Zusammenschluss (Konsortium) zur Aufschließung von Basaltvorkommen. An 4 Stellen des Oberkasseler Höhenzuges fing man an, Basalt abzubauen, nämlich:

in der Wallachei (wo heute der „Blaue See" ist),
im Hüllenloch,
in der Fuchskaul,
im Rauchloch.

Später löste sich das Konsortium wieder auf, und einer ihrer Teilhaber, Adam Uhrmacher, übernahm sämtliche Anteile. Vermutlich haben letztere in der Hauptsache in Grundeigentum (Waldparzellen) bestanden, das an den 4 oben bezeichneten Geländestellen gelegen war und welches die übrigen Konsorten als Einlage in das Unternehmen gebracht hatten. Die weitere geschäftliche Entwicklung soll eine wechselvolle und vom Glück weniger begünstigte gewesen sein.

Erst unter den Söhnen Adam Uhrmachers, Christian Uhrmacher Sen. und Wilhelm Uhrmacher, bekam das Geschäft Aufschwung. Christian Uhrmacher Sen. war die Seele des Unternehmens.

Im Laufe der Jahre war man imstande, an Erwerbung neuer Förderstellen zu denken. So kaufte die Firma von Baron de Franc, dem damaligen Besitzer der Kommende Ramersdorf, den südlichen Teil der Dornhecke, ferner auch die Rabenley, die Luh und 2 weitere Basaltvorkommen.

Durch den Bau der EB 42 und die Umwandlung der Siebengebirgsbahn zur Stadtbahn um 1980 wurde durch den Bau der Autostraße zwischen Dornheckenstraße und der Meerhausener Straße die Meerhausener Straße abgeschnitten. Die Meerhausener Straße wird statt dessen über eine Brücke zwischen Am Stingenberg zum Anfang der Meerhausener Straße geführt. Unterbrochen ist auch die Ernststraße. Die Straße Am Bungert wurde westwärts zur Langemarckstraße verlegt. Außerdem wurden mehrere Fußwege unterbrochen. Uralte, liebgewordene Verbindungen bestehen seitdem nicht mehr.

Abgesehen von der Dornhecke hatten die übrigen noch wenig steinbruchartiges Aussehen und mussten erst regelrecht erschlossen werden. In der Dornhecke war bereits seit vielen Jahren ein Steinbruch, den Baron de Franc noch um 1870 auf eigene Rechnung betrieben hatte. Als Christian Uhrmacher diesen Steinbruch übernahm, war er jedenfalls schon erschlossen.

Gefahrenvolle Arbeit in der Felswand

Christian Uhrmacher ließ an der Rabenley den ersten Steinbrecher in der hiesigen Gegend (vielleicht sogar in der Rheinprovinz) bauen; das war in den 80-er Jahren des 19. Jahrhunderts. Hiermit war die Möglichkeit gegeben zu einer für die damaligen Verhältnisse außergewöhnlichen Produktionssteigerung; Handschlag wurde durch Maschinenschlag ersetzt. Der tagaus tagein in gleicher Einförmigkeit sich vollziehende Tagesablauf des Schrottschlägers schien wenigstens an dieser Stelle sein Ende gefunden zu haben. Doch blieb dieser Steinbrecher auf die Dauer nicht betriebsfähig; Bemühungen, die aufgetretenen Schäden zu beheben, erwiesen sich als erfolglos, sodass man von seiner weiteren Benutzung absehen musste.

Zu erwähnen ist noch an dieser Stelle, das aus der Rabenley viel Material zu Fortifikationszwecken nach Köln geliefert worden ist, und zwar hauptsächlich Schotter, und dass dieser Betrieb verhältnismäßig früh stillgelegt wurde, da er viel Sonnenbrand und Schutt hatte.

Als mittlerweile der Maschinenschlag sich in den basaltverarbeitenden Kreisen immer mehr Eingang verschaffte, entstand auch ein neuer Steinbrecher im Hüllenloch, der später in den südlichen Teil der Dornhecke verlegt wurde.

Behauen der Basaltsteine mit der Hand

Interessieren wird vielleicht, dass in den Anfängen der Oberkasseler Basalt-Industrie, aber auch noch später, die Steine auf Schiebkarren von Hand aus den Bergen zum Rhein gefahren wurden. Pferde gab es zur damaligen Zeit hier noch nicht in genügender Zahl, sodass diese Beförderungsart die einzige war, mit deren Hilfe das Material zur Versandstelle gebracht werden konnte. In Bütten verpackt, wurde der Kleinschlag u.s.w. auf vielen solcher Schiebkarren den langen Weg zum Rhein gefahren; die Last einer einzelnen Fahrt mag etwa 3-4 Zentner schwer gewesen sein.

Später, als die Steinindustrie immer weitere Fortschritte machte, nahm auch die Zahl der Transportpferde zu; Fuhrunternehmer übernahmen die Materialbeförderung. Die Firma Christian Uhrmacher Sen. soll alleine 18 eigene Pferde gehabt haben, mit denen sie Basaltsteine zum Rhein fahren ließ. Damals war noch alles „primitiv". So sollen die ersten Steinkarren auch noch keine Bremsen der uns bekannten Konstruktion gehabt haben. Ein kräftiger, schlanker Eichenast, auf geeignete Länge geschnitten, wurde mit einem Ende an einen Karrenbaum gebunden, über die Nabe eines Rades (es waren Pferdekarren mit nur 2 Rädern) gelegt und bei nötigem Bremsen an seinem anderen Ende mit Seil so befestigt, dass er gegen das Rad drückte.

Noch vor dem Ersten Weltkrieg führten drei Basaltstraßen zum Rhein, die Schul- und Simonstraße, die Zipper-Kinkelstraße sowie die Jakobstraße. Das Gestein des nördlichen Teils der Dornhecke dagegen gelangte über die Hardtstraße südlich der Zementfabrik zum Rhein.

Abladen der Basaltsteine am Rhein

Christian Uhrmacher ließ das Basaltgestein der Dornhecke und Luh durch mehrere Kleinbahnen zum Bremswerk oberhalb des Hungerberges an der oberen Holzgasse bringen. Von dort wurden Sie durch das Quellchen auf Schienen bis hinter die obere Alsstraße durch eine mehrere Meter breite Mauer heruntergelassen und gelangte an einer mit vier leeren Wagen von der Verladestelle gekommen Lokomotive auf einem nach Süden und Westen führenden Damm über die Wilhelmstraße zur Hauptstraße und vor dort zwischen Marmeladenfabrik und Jakobstraße zum Sandloch, später Friedensplatz. Mit dem „feurigen Schäng" der sogenannten Lokomotive ging es zum Güterbahnhof und durch den alten Hohlweg nördlich der Kirche und der Bahnunterführung zum Verladeplatz.

Maschinen-Aufzug an der Dornhecke

Arbeiter in der Dornhecke um 1900

Die Lokomotive Johannes, genannt "feurigen Schäng"
zu Zeiten der Rheinischen Provinzial-Basaltwerke

1877 ließ Christian Uhrmacher eine Transportbahn von Hosterbach zu einer der Staatsbahn und dem Rhein nahe gelegenen Verladestelle bauen; die über die Alsstraße/Jakobstraße verlief; später wurde diese Kleinbahn bis zum Rheinstrom und bis zu einer Verladerampe, die westlich des Gleisstranges der Staatsbahn sich befand, erweitert. Im Anfang zogen noch Pferde die mit Steinen beladenen Kleinbahnwagen, dem Laufe des Schienenweges folgend, von Hosterbach aus durchs Tal; bald darauf übernahm eine Lokomotive den Transport. Bis Hosterbach wurden die Steine aus den Brüchen über einen Bremsberg zur Abfahrtstelle befördert.

Im Jahre 1902 verstarb Christian Uhrmacher Sen. Nicht lange vorher, etwa um 1901 war die bisherige Firma in Oberkasseler Basalt-A.G., vorm. Christian Uhrmacher umgewandelt worden.

Im Jahre 1907 gingen die Steinbrüche an den Provinzialverband der Rheinprovinz in Düsseldorf über, der für seine Straßen- und Wegebauten stets sehr großen Bedarf an geeignetem Material hatte. Johannes Uhrmacher, genannt Jean, der Sohn des ehemaligen Geschäftsleiter, Christian Uhrmacher Sen., behielt anfangs noch die Betriebe in Pacht. Von 1916 ab vollzog sich der Geschäftsgang auf Rechnung des Provinzialverbandes der Rheinprovinz und unter Direktion des Johannes Uhrmacher. Dieses Amt behielt er bis 1926 oder Frühjahr 1927 bei, alsdann wurde Dipl. Bergingenieur Otto Meier-Peveling Nachfolger, unter dem 2 Jahre später (1929) die Dornhecke stillgelegt wurde. In den anderen Brüchen musste der Betrieb schon viel früher eingestellt werden.

So kam denn auch der letzte Steinbruch des Prov. Verbandes auf Oberkasseler Gebiet zum Erliegen. Seit September 1929 sind die Fahrten der Transportbahn, die etwas unterhalb der Jakobstraße in die Hauptstraße überquerte, eingestellt worden; ihr Schienenstrang wurde entfernt, und nichts erinnert mehr daran, dass auf diesem Wege einst unzählige Mengen Basaltgesteins nahem oder fernen Absatzgebieten zugeleitet wurden.

Lokomotive der Rhein. Prov. Basaltwerke mit Lokführer Heinrich Horbach

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