2. Peter Uhrmacher

Die Firma Peter Uhrmacher entwickelte sich, wie bereits erwähnt, aus dem von Johann Gabriel Adrian elterlicherseits gegründetem Steinbruchunternehmen.

Ihr erster Geschäftsführer und Inhaber war der im Jahre 1924 verstorbene Peter Uhrmacher sen., der den aus der Erbgemeinschaft Adrian stammenden Steinbruch „Am Stingenberg" übernahm und erfolgreich bis Ende 1922 leitete, als ihn Alter und Krankheit zwangen, sich vom Geschäft zurückzuziehen und die Führung seinem 2. Sohne, Peter Uhrmacher Jr., zu übertragen. Mehr als 50 Jahre hat Peter Uhrmacher sen. in enger Verbindung mit der Oberkasseler Basalt-Industrie gestanden. Seine beiden Söhne, Fritz und Peter Uhrmacher, wurden in das väterliche Geschäft aufgenommen.

Peter Uhrmacher mit Frau Maria 1907 (von links)

Der Steinbruchbetrieb wurde bald mit zeitgemäßen technischen Neuerungen, z.B. Brecheranlage (1907) ausgestattet. An Material werden Steinschlag in allen Körnungen, Basaltsplitt und –sand, aber auch Säulen und Senksteine gewonnen. Der Transport musste lange Jahre hindurch auf Pferdekarren durch die damalige Zippergasse (später Schlageterstraße) zum Rhein und zur Staatsbahn erfolgen, deren Gelände heute neben der Konrad-Adenauer-Brücke (Südbrücke) im Schatten des auf der anderen Rheinseite gelegenen Langen Eugen stand, bis diese Beförderungsart durch Lastkraftwagen abgelöst wurde.

Das heutige Wohnhaus Zipperstraße 29a war lange Zeit Pferdestall und Remise für den Steinbruchbesitzer Peter Uhrmacher. Peter Uhrmacher war der Bruder von Johann Gabriel und Karl Uhrmacher, den Besitzern von Haus Zipperstraße 29. Seine Fuhrleute holten in der Frühe Pferde und Wagen und fuhren damit zum Steinbruch. Nachdem die Wagen mit Basaltsteinen beladen waren, zogen die Pferde die schwere Last den Karrenweg hinunter und durch die Zipperstraße zum Rhein. Dort wurden die Steine über dicke, mit P.U. gekennzeichnete Bohlen mit Schubkarren von „Schürgern" in Schiffe verladen, deren Ziel oft die Niederlande waren. Die Zipperstraße wurde durch die schweren Lasten sehr in Mitleidenschaft gezogen. Über die Hinterlassenschaft der Pferde aber regte sich niemand auf. Die „Äpfel" wurden von den Anwohnern gesammelt und als Dünger in Feld und Garten verwendet. Bis zum Anfang des Zweiten Weltkriegs befuhren mit Basalt beladene Pferdefuhrwerke die Zipperstraße, auch wenn 1919 die ersten noch eisenbereiften Lastautos den Transport der Steine mit übernahmen.

Verladen der Schiffe von den „Schürgern"

Theo Roersch beschrieb die Pferdefuhrwerke in der Oberkasseler Zeitung: „Was die Jugend noch weiter sehr interessierte, waren die Pferde von Peter Uhrmachers Steinbruch. Herr Uhrmacher, den wir so oft im schwarzen Lodenmantel und Spazierstock den Weg von Wohnung zum Bruch gehen sahen, hatte sie im Stallgebäude bei seinem Bruder, dem gemütlichsten Wirten von der Welt, dem Karl Uhrmacher – auch Junggeselle – untergebracht. 15 Pfg. a Fläschche Bier im schönen Garten."

Die Gastwirtschaft von Karl Uhrmacher in der Zipperstraße

Die Zipperstraße war für die Tiere das schwerste Stück Weg, das sie mit ihrer 80 Zentner – Steinladung vom Bruch zum Rhein oder zur Bahn zurückzulegen hatten. Was war das oft ein Würgen die Straßensteigung herauf bei winterlicher Glätte. Manchmal wollte es selbst mit Vorspann noch nicht gehen. Es gab dann je nach Temperament wüste Peitschenhiebe, wildes Zuschreien und dann konnte es passieren, dass ein Tier hinfiel und unter der Last seines Körpers – es konnten ja nur schwerste Pferden den Dienst versehen – die Deichsel oder Schere brach. Nicht selten schwitzten dann die Pferde vor Angst, und große Schwaden sah man bei der Kälte aus ihren Nüstern treten ... Aber nicht nur die Pferde auch ihre Fuhrleute waren unsere Freunde. Allen voran der alte Köhr und der alte Bock, die ein Lebenlang mit den Tieren zusammen gearbeitet hatten. Mit Ladung gingen sie neben ihren Pferden einher, die große Peitsche, das Zeichen ihres Berufes, würdig geschultert, und auf der Rückfahrt sah man sie gemütlich auf ihren leeren Wagen auf einem quer gelegten Brett sitzen, das eigens dazu mitgeführt wurde."

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