Die Oberkasseler Basalt-Industrie

Werfen wir einen Rückblick auf die Zeiten, da Oberkassel als Siedlung noch von geringer Ausdehnung war und die Straßenzüge und Häuser, die das Kennzeichen eines jüngeren Zeitraumes tragen, sich noch nicht, wie heute, in das Ortsbild einfügten.

Acker und Weingärten bedurften der pflegenden Hand: Bauern und Winzer mögen also damals die Berufsstände gewesen sein, die die Mehrzahl der Bewohner des kleinen Dorfes stellten. Außerdem machten die Bedürfnisse des täglichen Lebens das Handwerk unentbehrlich.

Dann kam der Tag, als die Geburtsstunde einer ganz anderen Ausnutzung menschlicher Kräfte auch auf unserem Heimatboden schlug. Zum einen Industrie und Handel, anfangs noch unbedeutend, aber sich immer mehr entfaltend, begannen nun sich hier Geltung zu verschaffen. Kaum war die Ruhe der Berge von den ersten Anfängen der Basaltförderung gestört, da streckte die Ausbeutung immer gieriger ihre Hand aus. Sie riss Wälder nieder und schlug klaffende Wunden, deren Narben an den Bergwänden immer von harter und beharrlicher Arbeit Zeugnis wiedergibt. Die Erschließung der Steinbrüche zog in zunehmender Weise Arbeitskräfte an, nahm manchen aus seiner gewohnten Arbeit heraus und wies ihm eine neue, härtere in der Felswand zu.

Schon lange vorher wird man zwar den Wert des in den Bergen schlummernden Basaltgesteins erkannt haben, denn wir wissen heute, dass z.B. beim Bau der alten Oberkasseler evangelischen Kirche an der Hauptstraße, der ca. in das Jahr 1683 fällt, schon hiesiger Basalt gebraucht worden ist. Auch hat er als Material bei Wohnbauten Verwendung gefunden, und alte Gartenmauern, die man zuweilen noch im Gelände antrifft, sind aus ihm errichtet worden. Es handelte sich aber in diesen Fällen wohl nur um eine gelegentliche Förderung von Basalt, ohne dass bestimmte Handelsinteressen von Dauer damit verbunden gewesen wären.

Blick auf Oberkassel von der linken Rheinseite

In diesem Zusammenhang sei auch darauf hingewiesen, dass der Turm der Oberkasseler katholischen Pfarrkirche größtenteils aus Basaltgestein besteht, ebenso wurden im Erdreich vor Errichtung des Pfarrhauses Bruchsteine dieser Art gefunden, die als Bestandteile des alten Römerkastells erkannt wurden. Wie damals schon Oberst Wulff ausführte, haben auch die Mauersteine des Kirchturmes ursprünglich zu den Anlagen des Kastells gehört und sind dann später als bequem vorhandenes Material beim Turmbau verwendet worden. – Es ist wohl anzunehmen, dass schon das Vorkommen von Basalt den sich damals hier aufhaltende römischen Legionären bekannt war, die diesen zu ihren Zwecken ausnutzten.

Ebenso weist Alfred Hüser bei der Besprechung seines Wappen-Entwurfs für die Gemeinde Oberkassel darauf hin, dass schon in früheren Zeiten (also lange vor Erschließung der Berge zur Basaltgewinnung) ein gewisser Handel in bescheidenem Umfange hier betrieben worden sei. – Vielleicht hat der Rhein als günstig gelegene Transportstraße dazu gute Dienste geleistet.

Über die mutmaßlichen Lagen der ersten Basaltförderstellen bei Oberkassel lässt sich von

Dechen in seinem Buche „Geognostischer Führer in das Siebengebirge am Rhein" aus.

Es heißt dort auf Seite 205:

„Auf einer Terrasse zwischen den steilen Gehängen der Steinbrüche und Oberkassel scheint früher Basalt an vielen Stellen gebrochen worden zu sein. Derselbe liegt offenbar unter dem Basalt-Konglomerate und dürfte wohl mit dem Basalte zusammenhängen, welcher an dem nördlichen Ausgange von Oberkassel in der Fläche des Rheintales in einigen bedeutenden Steinbrüchen aufgeschlossen ist."

Die Zeit der handelsmäßigen Auswertung des Basaltvorkommens bei Oberkassel setzte jedoch erst um 1860 ein und soll in den folgenden Abschnitten kurz besprochen werden.

Die Steinbrüche zu Oberkassel ca. 1925



Berghovener Ley



Wallachhei/Blauer See



Dornhecke beim Abbau



Fuchskaule/Märchensee



Rabenley


Stingenberg

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