Die Geschichte der Familie Adrian

Gabriel Adrian geb. 19.5.1734, gest. 5.5.1809, verheiratet 1753 mit Christina Flaßkamp.

Johann Gabriel Adrian II geb. 7.2.1790, gest. 5.2.1874, verheiratet 1812 mit Odilia Sülzen, Tod 1871.

Johann Jakob Adrian III, geb. am 7.2.1859, gest. 11.10.1948, verheiratet 1882 mit Maria Trog.

Die Straße Am Stingenberg bezeichnet heute den Verbindungsweg zwischen Meerhausener Straße und Berghovener Straße. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts gingen in Oberkassel infolge der beginnenden Industrialisierung vor allem durch die Steinbruchbetriebe der Acker- und Weinbau wie auch die Viehzucht immer mehr zurück, während gleichzeitig die Bevölkerung zunahm. Untrennbar ist das Gebiet am Stingenberg mit der Oberkasseler Basaltindustrie verbunden, die für die Wirtschaft und den Aufschwung des Ortes so große Bedeutung hatte. Der das heutige Landschaftsbild mitgestaltende und der größte und höchste Steinbruch ist der am Stingenberg.

Gefahrenvolle Arbeit in der Felswand am Stingenberg

Im Hause Zipperstraße 36a befand sich eine Gastwirtschaft. Außer einer Kegelbahn hatte das Haus in den Nebengebäuden einen Tanzsaal. Es ist wohl das älteste Haus in Oberkassel, dessen Hofseite bereits 1464 errichtet wurde. Es wurde noch bis zum Anfang diesen Jahrhunderts als Gaststätte genutzt. Vor fast 260 Jahren betrieb der bekannte Rechenmeister und Lehrer Gabriel Adrian diese Gastwirtschaft. Er war ein kluger und vielseitiger Mann. Durch die Herausgabe eines weit verbreiteten Rechenbuches im Jahre 1792 wurde er als „Der bei den sieben Bergen wohnende Rechenmeister" bekannt. Sein Rechenbuch erschien 1792 in der kurfürstlichen Hofdruckerei in Bonn und fand, nachdem es sogleich in der vom Rat der Stadt neugegründeten und von dem Kölner Kurfürsten Maximilian Franz begünstigten Bonner Stadtschule eingeführt worden war, in rheinischen und bergischen Schulen weiteste Verbreitung.

Er kam 1755 an die Schule der reformierten Gemeinde Oberkassel im damaligen Amt Löwenberg. Der Prediger Johann Jakob Fues, der Sohn eines Bergisch Gladbacher Papierfabrikanten, hatte ihn von Haan herübergeholt, wo er an der Dorfschule in jungen Jahren Anstellung gefunden und kurze Zeit gewirkt hatte. Er war am 19. Mai 1734 in Ketzberg bei Solingen geboren und die Eltern und Großeltern waren höchstwahrscheinlich im gewerblichen Leben des fleißigen Landes Tätig gewesen. Schon der Umstand, dass der aus einer Papiermacherfamilie hervorgegangene Pfarrer Fues ihn an die Schule seiner Gemeinde berief, deutet auf Beziehungen des jungen Lehrers zu dieser Industrie hin, und in der Tat tritt er schon bald nach seiner Übersiedlung nach Oberkassel als Organisator des Lumpenhandels in den Ämtern Blankenberg und Löwenberg offen in Erscheinung. Damals waren Lumpen noch der einzige Rohstoff der Papiererzeugung, und die sparsame Hausfrau erübrigte nicht viel davon. Ihre Sammlung war im ganzen Bergischen Lande ausschließliches Vorrecht der Papiermacher zu Bergisch-Gladbach und Solingen als der ältesten des Landes. Die Papiermühlen der Unterherrschaften wie Siegburg und Broich mochten zusehen, wo sie blieben und ihren Rohstoffbedarf im Kölner Großhandel decken. Die altbevorrechtigten Papiermacher verteilten das Land Ämterweise an Großunternehmer, diese gaben Unterbezirke an Großsammler, mit deren Ausweisscheinen dann die jedem Kind bekannten Karren der Lumpensammler mit papiernen Fähnchen und Windmühlchen durch die einzelnen Orte zogen.

In mehr oder minder regelmäßigen Kahnfahrten verfrachtete er das beträchtliche Sammelergebnis der ihm übertragenen Ämter von Oberkassel nach Mülheim am Rhein, von wo es seinen Weg auf Fuhrwerken in die bergischen Papierfabriken fand.

Als Pfarrer Fues gestorben war, gab Adrian den Schuldienst auf und wurde ganz Großkaufmann. Die Arbeit für die Papierfabriken behielt er bei, nahm den Vertrieb von Papier an den Kleinhandel und die Amtsstellen der Verwaltung und der Gerichte hinzu, kaufte das damals noch beträchtliche Wachstum an Rotwein in der engeren Heimat auf, setzte es in den niederrheinischen und bergischen Städten wieder ab und trieb Maklergeschäfte mit adligen und Bauerngütern.

Ein Kurgast in Bad Godesberg schildert 1793 in seinem Buch „Briefe eines Reisenden an seinen Freund über den Aufenthalt beim Godesberger Gesundbrunnen" seinen Aufenthalt bei dem Gastwirt und Gelehrten: „Herr Adrian, der ein gutes Wirtshauß hat, und einen Garten mit einer Kegelbahn, wo schier täglich Fremde aus umliegender Gegend und besonders aus Bonn hinkommen, um sich da zu belustigen, half mir mit einem guten Mittagessen aus der Noth.... Wir stiegen, um uns eine gute Verdauung zu machen, auf den gleich hinter Cassel gelegenen Berg, die Rabenleyhen genant, von dem man wieder eine unvergleichliche Aussicht in die weitumliegende Gegend und das Dorf Cassel im Mittelpunkt hat..."

Adrian starb 1809. Sein Ur-Enkel Johannes Gabriel Adrian war bis 1847 Bürgermeister in Oberkassel.

Am 24. Juni 1838 eröffnete Johann Gabriel Adrian, Ur-Ur-Enkel des früheren Lehrers und Rechenmeisters Gabriel Adrian und Sohn des Ackermanns und Bürgermeisters Gerhard Jakob Adrian, am Stingenberg einen Steinbruchbetrieb und wurde damit zum Begründer der Firma J. G. Adrian, Oberkassel. Der Stingenberg liegt in Oberkassel unterhalb der Rabenlay und des Kucksteins. Johann Gabriel Adrian führte als erster seiner Familie im Jahre 1840 die Standesbezeichnung Steinbruchbesitzer. Während im Jahre 1818 in diesem Bereich noch Weingärten lagen, waren im Jahr 1840 bereits 40-50 Arbeiter am Stingenberg im Steinbruch beschäftigt, der 1888 in den Besitz von Peter Uhrmacher überging. Im Volksmund von Oberkassel wurde Johann Gabriel Adrian allgemein der „Iwige Hoot" genannt, weil er meist einen schwarzen Zylinder sowie einen langen schwarzen Rock und hohe Stiefel trug. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde auch am Stingenberg der Betrieb wieder aufgenommen. Nach erneuter kriegsbedingter Einstellung im Jahre 1942 wurden die Arbeiten 1951 durch die Kölner Firma Radermacher wieder begonnen. Infolge der Kammersprengungen traten an den umliegenden Häusern starke Schäden auf, sodass weitere Sprengungen verboten wurden. Bereits 1952 stellte man den Steinbruchbetrieb völlig ein. Heute sind die Steinbrüche nur noch ein charakteristisches Element der Oberkasseler Landschaft und stellen eine Erinnerung an den wirtschaftlich bedeutsamen Basaltbergbau dar.

In den Jahren vor dem ersten Weltkrieg und zwischen den beiden Kriegen übernahm J. G. Adrian viele ehrenamtliche Aufgaben. So war er jahrzehntelang im Presbyterium der evangelischen Kirchengemeinde, wurde zum Ehrenpresbyter ernannt und bekleidete 20 Jahre lang das Amt des Kirchmeisters. Als Schiedsmann – dieses Amt versah er 30 Jahre lang – hat er manchen Streit geschlichtet. Auch in der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft war er über Jahrzehnte hinweg ehrenamtlich tätig. Nicht vergessen sollte man auch sein Wohlwollen den Ortsvereinen gegenüber, die mit ihren Sorgen bei ihm stets ein offenes Ohr und eine offene Hand fanden.

Schon 1894 wurde er in den Gemeinderat gewählt, dem er ohne Unterbrechung bis zum Jahre 1924 angehörte. Hier stellt er seine reichen kaufmännischen und organisatorischen Erfahrungen in den Dienst der Allgemeinheit. Seine Stimme hatte dort großes Gewicht. Er gab nicht nur Ratschläge, sondern ging mit gutem Beispiel voran. So besteht heute noch die „J. G. Adrian-Stiftung", deren Zweck es ist, Bedürftige eine Beihilfe zu den Kosten des Winterbrandes zur Verfügung zu stellen.

Anlässlich seines 70. Geburtstages wurde J. G. Adrian wegen seiner Verdienste um die Gemeinde, besonders während seiner mehr als 30-jährigen Tätigkeit im Gemeinderat und seiner 20jährigen Tätigkeit als ehrenamtlicher Beigeordneter der Bürgermeisterei Oberkassel, am 7. Febr. 1929 einstimmig zum ersten Ehrenbürger der Gemeinde Oberkassel ernannt.

Sein ganzes Leben hindurch wurde er von seinen Freunden und Verwandten mit seinem abgekürzten Vornamen „I. G." angeredet, und auch die Oberkasseler Bevölkerung nannte und kannte ihn nicht anders als den „I. G.". Während des Dritten Reiches widmete er sich ausschließlich seiner Familie und seinem Unternehmen. Er erlebt noch das Ende des Krieges und starb am 22. Okt. 1948 im Alter von 89 Jahren. Seine letzte Ruhestätte fand er in dem Familiengrab auf dem Friedhof in Oberkassel.

Zu Ehren Adrians wurde in Oberkassel die Adrianstraße eingeweiht.

Die Planung zur heutigen Adrianstraße begann im Jahre 1897. Man wollte eine bergseitige Parallelstraße zur Königswinterer Straße schaffen. Dazu benutzte man zunächst das bereits vorhandene Wegestück zwischen Alsstraße und Jakobstraße, das damals Kehrweg hieß. In Verlängerung des Kehrweges sollte von der Hardtstraße (heute Dornheckenstraße) bis zum südlichen Ortsende eine Straße gradlinig durchgeführt werden. Als erstes Stück wurde die Strecke zwischen Cäcilienstraße und Jakobstraße in Angriff genommen. Der Fluchtlinienplan wurde 1898 aufgestellt. Aufgrund dieses Planes beantragte die Gemeinde Oberkassel ein Jahr später das Enteignungsverfahren bezüglich einiger in die neue Straße fallender Grundstücke. Nach Erteilung der Genehmigung konnte im Jahre 1900 mit dem Ausbau begonnen werden. Die Straße erhielt eine Breite von 7 m zuzüglich beiderseitige Schrittwege von je 2 m und sollte mit Makadam versehen werden.

Außer dem Stingenberg besaß die Familie noch den Steinbruch Limberg und Scharfenberg nach Niederdollendorf, sowie Limbergskopf bei Asbach und Hummelsberg bei Linz.

Anschließend verlagerte sich der Abbau von Basaltvorkommen in den Westerwald.

Dies war das Mückenfeldchen bei Buchholz gelegen, aber auch am Stöffel im Pleistal, der sehr ergiebig war.

Für das linksrheinische Gebiet im Raum Düren und Aachen kam der Barsberg in der Eifel, in der Nähe des Kelberg, hinzu.

Als letzter Steinbruch wurde bei Westerburg Hergenroth erschlossen.

In der Königswinterer Straße 728 liegt die Villa Adrian, in der der Steinbruchbesitzer Hermann Adrian mit Familie wohnte.

Südlich des Rathauses lag der Friedhof der evangelischen Gemeinde. Das Grundstück hierzu schenkte 1855 I. G. Adrian der Kirchengemeinde. Der Friedhof wurde bis 1888 belegt. Einige alte Grabmäler erinnern noch an die Familie Adrian. Heute ist der Friedhof in eine kleine Parkanlage umgewandelt.

Ernst Adrian gründete 1889 eine Krautfabrik im großelterlichen Hause an der Ecke Haupt- und Kinkelstraße, Haus Königswinterer Straße 670. Die bei ihm beschäftigten Arbeiter nannte man „Krokstöcher" (Krautkocher). Die fertige Ware wurde in der näheren Umgebung durch einen Handwagen mit Ziehhund befördert. Bereits 1892 verlagerte Adrian den Betrieb nach der Hauptstraße 114. Das Warenangebot wurde mannigfaltiger, und die Firma nannte sich nun „Rheinische Apfelkraut- und Geleefabrik". Dieser Betrieb wurde von den Nachkommen, allerdings in Vinxel, weitergeführt, konnte sich aber letztendlich wegen seiner Größe nicht mehr auf dem Markt behaupten. Nach dem Abbruch der Fabrikgebäude wurde auf dem Gelände ein Supermarkt errichtet.

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